Meine
Herren!
Und meine Damen, denn auch solchen bin ich sehr ergeben:
Mich, Ophelia, hier selbst als Ware anzupreisen, wirkt sicher wenig
bescheiden. Doch Bescheidenheit, entre nous, ist immer falsche Bescheidenheit.
Mein Körper gefällt denen, welche jene paradiesische Verschmelzung
suchen zwischen dem kleinen, zarten Leib eines Kindes und der geschwungenen
Silhouette eines Weibes.
Meine Haut, sagt man, ist so weich wie die einer Aristokratin der
Belle Époque. Mein weißes Gesichtchen, meine dunklen
Locken, meine kleinen Hände und Füße, meine schmalen
Schultern sind von einem Puppenbauer gemacht, meine spitzen Brüste
ebenso, doch jenseits meiner schmalen Taille werden Sie eine Überraschung
erleben, und diese Überraschung ist mein Po.
Glauben Sie, ich bin ein süßes, junges Ding? Sehen
Sie in meine großen, hellgrünen Augen! Darin wohnt etwas,
das so alt ist wie die Menschheit.
Ich bin nicht auf den Kopf gefallen, ich bin gewitzt, und mancher
behauptet sogar, ich hätte Tiefe. Ich sei was für Anspruchsvolle,
für Intellektuelle gar. Mit mir könnten Sie stundenlange
Gespräche führen über Literatur und Philosophie, wenn
Sie wollten – sagen Sie bloß, Sie kommen wegen etwas anderem
ins Bordell?
Wenn ich Ihnen zu frech bin, zu viel plappere, knebeln Sie mich einfach
und fesseln Sie mich ans Bett. Unter Umständen muss ich besonderen
Erziehungsmaßnahmen ausgesetzt werden. Seien Sie streng, damit
ich ein braves Mädchen bin, das flehend zu Ihnen aufblickt. Ich
werde vergehen vor Ehrfurcht! Wenigstens werde ich so tun.
Ophelia